Rückspiegel | 3. IBM Legal Tech Summit
Wie sieht der digitale Justizarbeitsplatz der Zukunft aus? Mit dem White Paper „eJustice Architektur 2035+ | Vom elektronischen zum digitalen Justizarbeitsplatz“ entwickelt die eJustice Innovation Alliance ein Zukunftsbild für das Zusammenspiel von elektronischer Akte, Fachverfahren und künstlicher Intelligenz. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie diese Technologien zu einem Arbeitsumfeld zusammenwachsen können, das die Beschäftigten der Justiz wirksam unterstützt.
Der IBM Legal Tech Summit am 19. und 20. Oktober in Frankfurt am Main bot Gelegenheit, diese Zukunftsfragen mit Fachleuten aus Justiz, Wissenschaft und Technologie zu vertiefen. Der hessische Justizminister Christian Heinz bereicherte die Diskussion mit seinem Impulsvortrag. Experten aus Estland, Brasilien und Singapur eröffneten internationale Perspektiven und gaben Anregungen für die Weiterentwicklung hierzulande.
Ein weiterer Schwerpunkt war die „Instanz 0“: einer digital unterstützten Vorstufe, die Rechtsuchenden Orientierung bietet und eine frühe Streitbeilegung ermöglichen soll.
Für die eJustice Innovation Alliance verbinden sich die Impulse des Summits mit dem Anspruch des White Papers: Fachliche Anforderungen und technologische Möglichkeiten in einem gemeinsamen Zukunftsbild zusammenzuführen und daraus konkrete Entwicklungsschritte abzuleiten.
Agenda & Vorträge
Quick Links Vorträge
Tag 1: Montag, 19. Oktober 2026
Digital Justice 2030 | Wie Europa die Justiz digital und interoperabel für die Rechtssuchenden neu denkt
Prof. Dr. Christoph A. Kern | Universität Heidelberg
Der Vortrag richtet den Blick über die deutsche Debatte hinaus: Zugang zum Recht, grenzüberschreitende Verfahren, Interoperabilität,
gemeinsame Standards, digitale Identitäten und der verantwortungsvolle Einsatz von KI werden zu zentralen Bausteinen einer europäischen
Digital-Justice-Agenda. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche strategischen Weichen Deutschland jetzt stellen muss.
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Internationale Best Practice | Was Deutschland aus der Justizdigitalisierung anderer Länder lernen kann | Estland, Brasilien
& Singapur
Prof. Dr. Thomas Hoffmann | Estland | Tallinn University of Technology
Dr. Raul Campos Silva | Brasilien | Rechtsanwalt São Luís Brasilien
Prof. Dirk Hartung | Singapur | SMU Singapore Law School
Der Entwicklungsstand der Justizdigitalisierung ist international sehr unterschiedlich, für unsere Überlegungen hierzulande aber vielfach
inspirierend. In diesem Beitrag berichten Experten aus Estland, Brasilien und Singapur über Stand und Perspektive der weit fortgeschrittenen
Justizdigitalisierung in ihren Ländern.
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eJustice Architektur 2035+ | Vom elektronischen zum digitalen Justizarbeitsplatz
Prof. Dr. Matthias Grabmair | Technische Universität München
Christian Probst | ]init[ AG
Georg Semanek | IBM Client Innovation Center Austria GmbH
Falk Tengler | dvhaus Software & Solutions GmbH
Tianyu Yuan | Codefy GmbH
Im Mittelpunkt der Überlegungen zu einer eJustice Architektur 2035+ steht eine föderal anschlussfähige Plattformarchitektur, die eAkte,
Fachverfahren, Kommunikation, Daten, Register, Apps und KI-Assistenz in einem interoperablen Ökosystem integriert. Das Panel diskutiert,
wie die Justiz bestehende Systeme schrittweise modernisieren kann – ohne Big Bang, aber mit klarem Zielbild für 2035+.
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„Architektur des Vertrauens“: Wie agentische KI und menschliches Vertrauen zueinanderfinden | Ein Werkstattbericht
Dr. Martin Wachter | Bayerisches Staatsministerium der Justiz
Dr. Markus Walk | IBM Deutschland GmbH
Tianyu Yuan | Codefy GmbH
Dieser Werkstattbericht vermittelt Praxiseinblicke aus aktuellen Innovationsprojekten mit dem Fokus auf die Frage, wie in der Justizpraxis
zeitgemäße KI-Technologien so architektonisch gestaltet und eingesetzt werden können, sodass menschliches Vertrauen in den KI-Einsatz
gestärkt wird.
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Tag 2: Dienstag, 20. Oktober 2026
Juristische Sprachmodelle 2026 | Aktueller Stand & absehbare Entwicklungen
Prof. Dr. Matthias Grabmair | Technische Universität München
Prof. Dr. Philipp Reuß | Universität Göttingen | IBM Legal Tech Beirat
Dr. Michael Voessing | IBM Deutschland GmbH
Der Beitrag behandelt die nächste Reifestufe juristischer Sprachmodelle. Im Fokus stehen nicht nur Modellarchitekturen, sondern vor allem
qualitative Aspekte: Quellenbindung, Zitierfähigkeit, Halluzinationskontrolle, Evaluation durch Fachanwender, juristische Benchmarks,
Nachvollziehbarkeit und die Frage, wann Legal AI für justizielle Nutzung hinreichend verlässlich ist.
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Instanz 0 | Mit welchen innovativen Lösungsansätzen kommen wir vor die Welle?
Frank Richter | Präsident des Landgerichts Darmstadt
Massenverfahren belasten Justiz und Verwaltung bereits vor dem Gerichtssaal durch unstrukturierte Eingänge, redundante Prüfungen und ungeklärte
gleichgelagerte Rechts- und Tatsachenfragen. Eine digitale „Instanz 0“ bündelt vergleichbare Fälle, erkennt Muster und schafft frühzeitig Struktur
sowie rechtliche Orientierung. So können Effizienz, Verfahrensfairness und Zugang zum Recht verbessert werden, ohne den Rechtsweg zu verkürzen.
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Der digitale „Zivilprozess der Zukunft“: Von der Justizplattform zur KI-unterstützten Verfahrensführung
Prof. Dr. Caroline Meller-Hannich | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | IBM Legal Tech Beirat
Prof. Dr. Anne Paschke | Technische Universität Braunschweig
Der Beitrag verbindet Verfahrensrecht und Legal Tech. Ausgangspunkt sind Überlegungen zu Online-Verfahren, Justizplattformen und digital strukturiertem
Parteivortrag. Diskutiert wird, wie KI die richterliche Prozessleitung, die Strukturierung von Streitstoff und den Zugang zum Recht unterstützen kann,
ohne die Rolle des Gerichts zu verschieben.
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1 Jahr KI-Innovationspartnerschaft – ein Praxisbericht aus der Zusammenarbeit des Justizministeriums Baden-Württemberg
mit der IBM Deutschland
Eckard Schindler | IBM Deutschland GmbH
Jan Martin Bornscheuer | Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg
Das Justizministerium führt den Einsatz von KI in der Arbeit der Justiz seit der Inbetriebnahme von OLGA im Jahr 2023 strategisch fort. Nach dem Roll-Out
des Anonymisierungs-Assistenten JANO Ende 2025 sind weitere KI-Projekte wie StruKi und INTAKT in der Umsetzung. Die KI-Innovationspartnerschaft mit der IBM
hilft dabei, technologische Innovationen in Anwendungen in der Praxis zu bringen. Sie fördert den Knowhow-Transfer und unterstützt die Mobilisierung der
Beschäftigten der Justiz auf dem Weg ins KI-Zeitalter.
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IBM eJustice Future Clock | Kompass für die Zukunft der Justizdigitalisierung
Dr. Markus Walk | IBM Deutschland GmbH
Die technologische Entwicklung überholt zunehmend klassische Planungszyklen der Justiz. Die IBM eJustice Future Clock ordnet absehbare Entwicklungen in einem
strategischen „Möglichkeitsraum“ bis 2035. Im Zentrum stehen die Dimensionen Daten, UX, Architektur, Transparenz, Automatisierung und Integrität. So entsteht
eine 360-Grad-Perspektive auf Gestaltungs- und damit Handlungsoptionen. Ziel ist ein initiativer statt eines rein reaktiven Umgangs mit neuen Technologien.
Der Impuls zeigt, wie daraus eine belastbare Roadmap für eine resiliente und KI-fähige rechtsstaatliche Justiz entstehen kann.
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